Schlüter

Schlüter
Schlüter,
 
1) Andreas, Bildhauer und Baumeister, * Danzig (?) um 1660, ✝ Sankt Petersburg vor dem 23. 6. 1714; ab 1681 in Warschau nachweisbar (u. a. beteiligt an der Ausstattung des Schlosses Wilanów). 1694 wurde er nach Berlin berufen. Studienreisen führten ihn 1695-96 nach Prag, Wien, Italien (Studium der Werke Michelangelos und L. Berninis) und Frankreich. 1697-98 schuf Schlüter das Bronzestandbild des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III., des späteren preußischen Königs Friedrich I. (1802 vor dem Königsberger Schloss aufgestellt, seit 1944 Original verschollen, Folgeguss seit 1977 vor dem Neuen Flügel von Schloss Charlottenburg in Berlin). 1696-1700 arbeitete er an seinem plastischen Hauptwerk, dem Reiterdenkmal des Grossen Kurfürsten (Guss 1700, 1703 aufgestellt, Sklavenfiguren erst 1710; heute im Ehrenhof von Schloss Charlottenburg, das mit großem Pathos den absolutistischen Herrschergedanken repräsentiert. Bedeutende plastische Werke sind ferner die Bronzebüste Friedrichs II. von Hessen-Homburg (1704, Zuschreibung; Bad Homburg v. a. Höhe, Schloss) und die Prunksarkophage des preußischen Königspaars Sophie Charlotte (1705) und Friedrich I. (1713; Berlin, Dom). - Ab 1699 leitete Schlüter den An- und Umbau des Berliner Stadtschlosses und war 1702-04 zugleich Direktor der Akademie der Künste. Das Schloss (1944/45 weitgehend zerstört, 1950/51 gesprengt, Wiederaufbau in der Diskussion) stellte mit seinen klassischen Kolonnaden und dem figurenreichen Lustgartenportal eine eigenwillige Auseinandersetzung mit dem römischen Barock dar. Das Treppenhaus, die Paradekammern und Säle waren nach dramatischen Motiven reich ausgestaltet, die Raumentwicklung trat gegenüber der plastischen Durchbildung des Baukörpers zurück. Infolge des Einsturzes des Münzturmes (1706) wurde er als Bauleiter 1707 von J. F. N. Eosander abgelöst. 1713 folgte er einem Ruf des Zaren nach Sankt Petersburg; seine Planungen dort blieben unausgeführt.
 
Weitere Werke: Hochaltar der Kathedrale in Oliva (zwischen 1686 und 1693, Zuschreibung); Giebelreliefs und Dekorationen für die Fassade des Palais Krasiński in Warschau (1689-94); Wandgrab des Jakub Sobieski in Żółkiew bei Lemberg (1692-94); Schlusssteine, Prunkhelme, Medusenhäupter und 22 Masken sterbender Krieger am Zeughaus in Berlin (um 1696); Alte Post, ebenda (1702-04, 1889 zerstört); Kanzel der Marienkirche, ebenda (1702-03); Landhaus Kamecke, ebenda (1711-12, zerstört).
 
 
A. S. u. die Plastik seiner Zeit, bearb. v. E. Fründt u. a., Ausst.-Kat. (Berlin-Ost 1964);
 Z. Iwicki: Der Hochaltar der Kathedrale in Oliva. .. (1980);
 H. Ladendorf: A. S. Baumeister u. Bildhauer des preuss. Barock (1997).
 
 2) Otto, Geograph, * Witten 12. 11. 1872, ✝ Halle (Saale) 12. 10. 1959; seit 1911 Professor in Halle (Saale). Schlüter war einer der Begründer der modernen Anthropogeographie, v. a. der Siedlungsgeographie; Schwerpunkt war die Genese der Kulturlandschaft, ihre Physiognomie (»Morphologie«) und die Altlandschaft.
 
Werke: Die Siedelungen im nordöstlichen Thüringen (1903); Die Ziele der Geographie des Menschen (1906); Wald, Sumpf und Siedelungsland in Altpreußen vor der Ordenszeit (1921); Die Siedlungsräume Mitteleuropas in frühgeschichtlicher Zeit, 3 Teile (1952-58).
 
Herausgeber: Atlas des Saale- und mittleren Elbegebietes, 3 Teile (21958-61, 1. Auflage unter dem Titel Mitteldeutscher Heimatatlas).

Universal-Lexikon. 2012.

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